Wichtiges zu Bewerbungsgesprächen in Großbritannien
Grundlegender Ansatz:
Unabhängig von Ihren gewohnten Gepflogenheiten wird im UK von Ihnen erwartet, dass Sie sich direkt präsentieren und überzeugend „verkaufen“. Dies erfordert eine aktive Selbstdarstellung mit Formulierungen wie „Ich habe geleitet“, „Ich habe verantwortet“ oder „Meine Initiative führte zu“.
Wenn Sie Formulierungen wie „Mein Team hat X gemacht“ verwenden, wirkt es schnell so, als sprächen Sie über andere und wären lediglich ein unbeteiligter Beobachter gewesen.
Eröffnen Sie das Gespräch beim ersten Zusammentreffen mit freundlichem, lockerem Small Talk, bevor Sie ins Detail gehen. Dies ist ein wesentlicher Punkt, um zu zeigen, dass Sie auch menschlich und kulturell gut ins Unternehmen passen („cultural fit“).
Fragen im Vorstellungsgespräch:
Nahezu alle strukturierten Interviews im UK stützen sich stark auf kompetenzbasierte Fragen („Competency-Based Questions“). Zum Beispiel: „Können Sie mir von einer Situation berichten, in der Sie ein Projekt mit schwierigen Stakeholdern umsetzen mussten?“ oder „Geben Sie mir ein Beispiel dafür, wie Sie mit einem leistungsschwachen Teammitglied umgegangen sind.“
Es gibt verschiedene Ansätze zur Beantwortung solcher Fragen; eine besonders empfohlene Methode ist die STAR-Methode:
- Situation: Beschreiben Sie kurz den Kontext.
- Task (Aufgabe): Definieren Sie die Herausforderung oder das Ziel.
- Action (Handlung): Schildern Sie die konkreten Schritte, die Sie unternommen haben.
- Result (Ergebnis): Erläutern Sie das Resultat oder was Sie daraus gelernt haben.
Förmlichkeit, Tonalität und Feedback verstehen:
Erstens: Interviews sind zwar professionell, aber im Ton meist gesprächsorientiert und entspannt. In der Regel werden Sie von Beginn an mit Ihrem Vornamen angesprochen. Verwechseln Sie diesen informellen Ton jedoch nicht mit mangelnder Präzision – Ihre Kompetenzen werden weiterhin konsequent bewertet.
Zweitens: Im UK wird viel Wert auf eine diplomatische und zurückhaltende Sprache gelegt. Britische Interviewer sagen selten direkt „Das ist falsch“ oder geben kritisches Feedback unverblümt weiter. Stattdessen versuchen sie oft, Sie durch weiterführende Fragen zu lenken, wie etwa: „Könnten Sie das bitte noch etwas näher ausführen?“. In der Regel ist dies ein positives Zeichen: Man möchte Ihnen die Gelegenheit geben, mehr Details zu liefern, weil man Sie grundsätzlich für geeignet hält.
Kompakte Übersicht (Spickzettel):
- Fügen Sie Ihrem Lebenslauf kein Foto und kein Geburtsdatum bei (dies dient theoretisch dem Antidiskriminierungsschutz – auch wenn LinkedIn hier andere Wege geht!).
- Üben Sie das Beantworten von Fragen nach der STAR-Methode. Das hilft Ihnen besonders dann, wenn Ihre Sprachpraxis etwas eingerostet ist oder Sie nervös sind, da es Ihren Antworten eine klare Struktur gibt.
- Nutzen Sie die ersten Minuten für ein wenig Small Talk (Wetter, Wochenende, Anreise), bevor das eigentliche Interview beginnt.
- Denken Sie daran, Ihre eigenen Leistungen hervorzuheben – nutzen Sie „Ich“ statt „Wir“.
- Bereiten Sie 3–4 durchdachte Fragen für das Ende des Gesprächs vor; dies unterstreicht den Dialog auf Augenhöhe.

